Der Verein für Orts- und Heimatkunde GE-Buer

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Wir bitten um Nachsicht!

Der Verein für Orts- und Heimatkunde, Section Buer, wurde am 18.12.1890 gegründet.

Unser Vereinsarchiv ist im Haus Heege untergebracht.

Die zunächst wegen der Corona-Pandemie aufgeschobene Jahreshauptversammlung wird nunmehr am 23.09.2020 nachgeholt. Sie findet um 18:00 Uhr unter den bekannten Hygieneauflagen im Michaelshaus statt.

 

Am 13.09.2020 findet der Tag des offenen Denkmals statt. Die Stadt Gelsenkirchen hat dazu eine eigene Seite eingerichtet (www.gelsenkirchen.de/tdod), auf der u.a. das von einem unserer Vereinsmitglieder erstellte Video zum Paternoster im Buerschen Rathaus zu sehen ist.

Die hausnahen Parkanlagen

Bei kunstgeschichtlichen Betrachtungen stehen in der Regel die bildenden Künste im Vordergrund. Architektur, Malerei und Plastik haben eindeutigen Vorrang gegenüber der Gartengestaltung, die in den einzelnen Zeitepochen nur am Rande erwähnt wird. Wo jedoch Bau- und Gartenkunst zu einer engen Einheit verknüpft sind, werden beide Disziplinen auf eine Stufe gestellt. In besonderem Maße gilt das für die nach französischen Vorbildern angelegten Barockgärten des ausgehenden 17. Jahrhunderts.

Der Vorrang der bildenden Künste ist verständlich. Ihre Werke bestehen aus Materialien, die Jahrhunderte unbeschadet überdauern können. Dagegen besteht der Werkstoff der Gartenkunst, wenn man einmal von dem plastischen Schmuck absieht, vorwiegend aus Pflanzen mit begrenzter Lebensdauer. Die Erhaltung historischer Kunstgärten ist daher nur durch ständiges Nachpflanzen und intensive Pflege möglich. Die Vernachlässigung dieser Arbeiten würde kurzfristig zum Verfall führen, und zwar umso schneller, je kunstvoller die Bepflanzung angelegt war. Von den zahlreichen Gärten an den Herrenhäusern der Renaissance und des Barock sind aus diesem Grunde nur ganz wenige in der ursprünglichen Form erhalten geblieben. Aber auch dort, wo es sich um Rekonstruktionen des alten Zustandes handelt, sollte uns die Pflege dieser Anlagen, die zu den Höhepunkten der Gartenbaukunst zählen, ein hohes Anliegen sein.

Auch die Parkanlagen von Schloss Berge gehören dazu, sie verdeutlichen zugleich den Übergang vom Begriff des mittelalterlichen »Haus« zum »Schloss« französischer Prägung als Inbegriff neuer Kultur. Das im 13. Jahrhundert angelegte feste Haus war durch ein doppeltes Grabensystem geschützt, dessen äußerer Ring bereits größere Gartenflächen einschloss. Sie dienten vor allem der hausnahen Versorgung in Notzeiten. Im Spätmittelalter bereicherten die Hausherren den Garten durch das Sammeln von fremden Pflanzen und eiferten hierbei den botanischen Neigungen der Gelehrten und Patrizier nach, denen sie an den Universitäten nahe standen. So entstand zunächst ein Zier- und Nutzgarten mit Laubengängen.

An fröhliche Gartenfeste mit Schäferspielen in lauschigen Bosquetts (Kg. Luwig XIV. veranlasste erst 1661 den Leiter der Tuileriengärten Andree Le Notre zur Anpflanzung von Baumhainen (Bosquetts) für seine Residenz, die wie Räume wirkten und mit Statuen, Fontänen, Säulen und Grotten ausgeschmückt wurden.) dachte noch niemand. Das entwickelte sich erst mit der Wandlung von der Wehrburg zum repräsentativen Herrensitz, die um 1700 auch in der näheren Umgebung zur Anlage reich ausgestatteter Kunstgärten führte, Gärten, die durch ihre geometrische Linienführung die Architektur des Herrenhauses fortsetzten und mit ihm zu einer gestalterischen Einheit zusammenwuchsen. Derartige Anlagen gehörten selbst beim Landadel zum gesellschaftlichen Standard, der seine höfischen Ambitionen an französischen Mustern orientierte. Dort, wo man Schloss und Garten als Einheit neu planen konnte, waren die Gartenachsen streng auf das Schloss als beherrschenden Mittelpunkt ausgerichtet. Wegen der örtlichen Gegebenheiten war dieses Ideal bei kleineren Herrensitzen oft nicht zu realisieren, und die Gärten wurden dann den bestehenden Gebäuden seitlich angefügt. Auf rechteckig zugeschnittenen Flächen, in unserem Raum die Regel, von Wassergräben umgeben, mit hohen Hecken und Laubengängen eingefasst, bildete der Garten einen geschlossenen Raum, der gegenüber der offenen Landschaft durch starke Pflanzungen abgeschirmt war.

Als Material für die Randpflanzungen wählte man Schnitt vertragende Gehölze wie Linde, Ulme und Hainbuche, aus .denen man strenge Architekturformen bildete. Solitärpflanzen wurden als Kegel, Zylinder, Pyramiden oder Kugeln zurechtgeschnitten. Auch immergrüne Gehölze setzte man ein, um unerwünschte Sichten abzuschirmen. Zur Ausgestaltung der Parterreanlagen zeichneten die Gärtner wahre Kunstwerke an farbenprächtiger Ornamentik, deren Konturen z. T. durch beschnittenen Buchs gekennzeichnet waren, z. T. aber auch aus farbigem Sand, Kies, Ziegelmehl, Muscheln und Kohlengrus. Dazwischen leuchteten Tulpen, Nelken, Löwenmaul, Hyazinthen und Narzissen, eine Ausstattung also, die während des ganzen Jahres intensive Pflege erforderte.

Der französische Garten am Schloss Berge ist aus diesen Stilelementen entstanden. Über die gestalterischen Einzelheiten gibt es zwar keine zeitgenössischen Darstellungen, aber genügend Anschauungsmaterial für eine sinnvolle Rekonstruktion, z. B. die schöne Kupferstich-Folge, die der belgische Maler Roidkin 1730 vom benachbarten Schlosspark in Herten angefertigt hat. Zuschnitt und Gliederung der Gartenfläche in Berge ist noch aus den Katasterplänen von 1822 und 1920 abzulesen. Als wichtigste Belege für die Erstanlage des Gartens können die Reste des Figurenschmuckes angesehen werden, die etwa um 1700 entstanden sein dürften, wahrscheinlich in Zusammenhang mit der ersten baulichen Erweiterung des Hauses.

Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass zur gleichen Zeit in der engsten Nachbarschaft ähnliche Anlagen belegt sind. Am Schloss Herten wurde mit dem Bau des Barockgartens nach dem Wiederaufbau des Schlosses (Brand 1687) um 1700 begonnen und 1725 mit der Fertigstellung der Orangerie abgeschlossen. Am Hause Lüttinghoff, dass ebenso wie Schloss Herten der Familie von Nesselrode gehörte, ist die Anlage des franzöischen Gartens durch mehrere Quittungen aus den Jahren 1703-1715 nachgewiesen. Auch hier geht dem Gartenbau der Ausbau des Herrenhauses voraus. Sowohl in Herten als auch in Lüttinghoff waren Bildhauer der Familie Gröninger (Münster) beteiligt, denen auch die Gartenplastiken in Schloss Berge zugeschrieben werden. Wahrscheinlich stammen sie von Johann Mauritz Gröninger (1650-1707), der um 1700 nachweislich in der näheren Umgebung tätig war. Es ist naheliegend, dass sich benachbarte Adelsfamilien bei der Gestaltung ihrer Anlagen der gleichen Künstler bedienten.

Das Prinzip des französischen Gartens blieb bis weit ins 18. Jahrhundert hinein bestehen, bis zu den Spätformen des Rokoko. Erst nach 1800 wurde die streng gegliederte Form durch die offene Parklandschaft des englischen Gartens abgelöst, der sich im Berger Park südlich an den geschlossenen Barockgarten anschließt, um sich dann zu dem sanft abfallenden Gelände des Berger Feldes zu öffnen. So reichte der Blick vom Herrenhaus über den Park hinweg bis in die Emscherniederung.

Je stärker diese Idylle in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die zunehmende Industrialisierung des Raumes eingeengt wurde, desto mehr wurde die heil gebliebene Welt in der weiteren Umgebung von Schloss Berge zum Anziehungspunkt für die Erholung suchende Bevölkerung. Es lag daher nahe, dass die Stadt Buer alles daran setzte, den durch die Kriegs- und Nachkriegszeit arg mitgenommenen Besitz an sich zu ziehen und in ein umfassendes Grünkonzept einzugliedern. Das gelang nach langen Verhandlungen im Jahre 1924. Gemessen an der Wirtschaftskraft der Stadt Buer waren erhebliche Mittel erforderlich. Die Kosten für den Ausbau des Grüngürtels konnten bis 1928 aus Mitteln für »Notstandsarbeiten« gedeckt werden.

Nach dem Erwerb des Schlosses mit seinen ausgedehnten Parkanlagen und Ländereien wurde unter der Leitung des damals amtierenden Gartenamtsleiters Ernst Max Gey der »Französische Garten« als wichtiges Teilstück des Buer'schen Grüngürtels stilgerecht rekonstruiert. Der umfassende Rahmen besteht aus einer drei Meter hohen Hainbuchenhecke. Daran schließen sich großblumige Rhododendren und baumartige Magnolien an. Trompetenbäume sind an der östlichen und südlichen Seite als Auflockerung in den Rahmen mit einbezogen worden. Der südliche Ausgang des Hauptweges wird flankiert durch zwei alte Eiben. Die auf der östlichen Seite stehende ist ca. 280 Jahre alt. Beide Eiben sind unter Naturschutz gestellt. Hinter der westlichen Hecke steht eine Doppelreihe alter Platanen.

Hinter der östlichen Begrenzung wurde zur Pflege botanischer Neigungen ein kleiner Kräutergarten angelegt, wie er dem Zeitgeschmack des 19. Jahrhunderts entsprach. Das Gartenparterre ist durch drei Längs- und drei Querwege unterteilt. Der Hauptweg wird durch ein kunstvoll bepflanztes Rundbeet und eine runde Platzfläche unterbrochen. Die Rasenflächen sind mit Pflanzbändern umfasst. Buchsbaumfiguren wie Spiralen, Kugeln, Bären und Pfauen sind in symmetrischer Anordnung darauf gepflanzt.

Von den alten Sandsteinfiguren waren bei der Übernahme des Besitzes noch vier erhalten geblieben:

    1 Kriegerfigur (David) in der Achse des Schlosshofes, die im Detail stark an das Letmathe-Epitaph von Gerhard Gröninger im Dom zu Münster erinnert
    1 Figur des Apollo (?) mit der Harfe
    1 Figur der Flora mit einem Fruchtkorb
    1 weibliche Figur unter der Kastaniengruppe im englischen Garten

Nur die letztere ist im Original erhalten geblieben. Es ist aber fraglich, ob sie zur Gruppe der Gartenplastik gehört hat. Die glatte Rückseite mit Spuren einer Verankerung und der relativ gute Erhaltungszustand lassen eher darauf schließen, dass die Figur als Architekturplastik konzipiert war und längere Zeit in einem Innenraum stand. Die anderen 185 cm hohen Plastiken waren z. T. schwer und so stark verwittert, dass eine Steinkonservierung nicht mehr möglich war. Nachdem der Torso des »David« schon früher demontiert worden war, fertigte der Essener Bildhauer Röver 1960/61 von den Figuren des »Apollo« und der »Flora« aus Bamberger Sandstein Nachbildungen, die heute im französischen Garten stehen. Von den Originalen existieren nur noch Lichtbilder.

Die Blütenpracht des französischen Gartens kommt bereits im Frühjahr zur Entfaltung, erreicht ihren Höhepunkt im Sommer und klingt erst im Spätherbst aus. Zweimal im Jahr werden Pflanzbänder und Rundbeet mit Blumenschmuck versehen.



Die Herbst- bzw. Frühjahrspflanzung

    2 000 Tulpenzwiebeln werden im Herbst auf das Rundbeet gepflanzt.
    13 000 Stiefmütterchen (7 500 blaue und 5 500 gelbe) kommen im Frühjahr hinzu. Sie werden auf die Blumenbänder gepflanzt. Die gelben umsäumen den Hauptweg und die Querwege, die blauen die beiden Seitenwege.



Die Sommerbepflanzung

Das »Wappen der Stadt Gelsenkirchen« zeigen auf dem Rundbeet bodendeckende, zum Beschneiden geeignete Sommerpflanzen und schwach wachsende Sommerblumen. Allein hierfür werden 16 900 Pflanzen verwendet:

    8000 Alteantheren (rosa) bilden die Rahmenpflanzung für die Kirche
    600 Escheverien (grau) werden für das Kirchengebäude benötigt
    1000 Alteantheren (gelb) füllen die Türen und Fenster aus
    1000 Antenarien (grau) bilden die Rahmenpflanzung für den Baum
    600 Pileen (grün) sind für die Herstellung des Baumes notwendig
    550 Ageratum (blau) und
    400 Escheverien (grau) umgeben den Löwen
    600 Iresinen (rot) stellen den Löwen dar
    500 Santolinen (grau) sind für die beiden Schlegel gepflanzt
    1150 Begonien (rot) füllen die beiden Seitenfelder und das Kopffeld aus
    2500 Abtenien (gelblich) werden für die verbleibenden Freiflächen verwendet.

Für die rasenbegrenzenden Blumenbänder werden benötigt:

14700 Begonien: 7700 (hellrosa) höher wachsend und 7000 (dunkelrosa) schwach wachsend.

Die höher wachsenden schmücken die Seitenwege und die niedrig wachsenden den Hauptweg sowie die von ihm ausgehenden Querwege. Diese Aufstellung verdeutlicht, wie viel materieller und ideeller Einsatz notwendig ist, um den Hauptakzent des Buerschen Grüngürtels, den »Französischen Garten« in alter Schönheit zu erhalten.

Die Besucherzahlen der Berger Schlossanlagen zeigen, dass die Stadtvertretung damals eine weitsichtige Entscheidung fasste. Die Stadt ist bemüht, die kunst- und kulturhistorischen Denkmäler, hier insbesondere die Gartenkunst durch ständige Pflege und Erneuern der relativ kurzlebigen Pflanzen zu erhalten. Heute ist die Grünzone um Schloss Berge ein unersetzlicher Faktor für die Wohn- und Lebensqualität dieser Stadt. Darum ist dieses Gebiet auch im Flächennutzungsplan als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und im Gebietsentwicklungsplan als Freizeit- und Erholungsschwerpunkt festgelegt.

(Lothar Konietschke)

Heraldik am Schloss und im Garten

Schon aus früheren Epochen ist das Bemühen von Personen, Geschlechtern oder Körperschaften, sich bleibende Abzeichen zu schaffen, bekannt. Sehr bald gab es bestimmte Regeln, nach denen solche angefertigt, und besondere Berechtigungen, nach denen sie geführt wurden. Alte Zeichen dieser Art sind Stadtsymbole, die man bereits auf griechischen Münzen findet, oder etwa germanische Hausmarken. Letztere gehören, zumindest im engeren Sinne, nicht zur eigentlichen Heraldik, d. h. der Kunst, ein Wappen zu erstellen und zu blasonieren (beschreiben). Regeln gibt es nicht allein für die Anfertigung, sondern auch für die Führung von Wappen; nur diese gehören zur Heraldik.

Dabei stammt der Name Wappen von »Waffe«. Solche Wappenbilder werden schon im 12. Jahrhundert auf der Fahne, dem Waffenrock (Wappenrock), dem Schild oder der Pferdedecke angebracht. Die Geschichte dieser Zeichen lehrt, dass eigentliche Wappen erst mit den Kreuzzügen aufgekommen sind. Seit dieser Zeit, heißt es, sei auch der Schild der eigentliche Träger des Wappenbildes. Bis ins 16. Jahrhundert wird der Schild wirklich getragen; später ist er nurmehr Bildgrund und überwiegend von optischer Bedeutung. Diese - nämlich Träger des heraldischen Bildes zu sein - hat er bis heute gehalten.

Alle aufsitzenden Familien und Geschlechterfolgen des Schlosses Berge führten Wappen, und das des letzten adligen Besitzers, des Grafen von Westerholt-Gysenberg einerseits, und des gegenwärtigen, der Stadt Gelsenkirchen andererseits, sollen hier blasoniert werden. Das Stadtwappen sieht man im Sommer auf einem großen, runden Beet an der Südseite des Schlosses, gewachsen aus lebendigen Blumen. Das gräfliche Wappen befindet sich an der Balustrade vor dem Mansarddach des Mittelbaus. Der Schild wird heraldisch in »Plätze« unterteilt. Man spricht dann von »Heroldstücken«, und die einzelnen Plätze werden durch ihre Stellung bezeichnet und gezählt. Man zählt im heraldischen Sinne; d. h. man denkt sich selbst als hinter dem Schild stehend. So gesehen ist z. B. die vom Betrachter des Wappens linke Seite desselben die rechte und umgekehrt. Das Zählen der Plätze bzw. die Blasonierung des Wappens beginnen also im rechten Obereck (links vom Betrachter).

Der Schild ist »geviert« und an der Herzstelle mit einem ebenfalls gevierten Herzschild belegt. Auf dem Schild steht anstelle einer Helmzier, wie sie das Original zeigt, lediglich eine »Rangkrone«. Hier ist eine sog. Grafenkrone, erkennbar an ihren 9 sichtbaren Perlenzinken (insgesamt 16). Die Schildteilung ermöglicht eine Vermehrung des Wappens. Diese geschieht, wenn gewisse Besitzungen hinzuerworben wurden und ihr bisheriges Wappen mitbrachten. Heirat oder Erbschaft, Belehnung oder Dotation durch den Landesherrn, gelegentlich auch Kauf waren die Ursache hierfür. Veränderungen, die mit Vermehrungen und auch Rangerhöhungen verbunden sind, heißen »Besserungen«. Der gold-schwarz gevierte Schild zeigt im ersten und vierten Platz in Gold drei hintereinandergehende schwarze Vögel (Amseln), linksgewendet und mit roten Augen und Füßen. Sie stammen aus dem alten Gysenberger Wappen. Durch Johan v. Gysenberg, der um die Mitte des 17. Jahrhunderts Anna Maria Raitz von Frentz heiratete, kam das goldene Kreuz in Schwarz zunächst ins Gysenberger und mit diesem in das Westerholter Wappen.

Der Herzschild ist ebenfalls geviert und zeigt im ersten und vierten Platz das schwarz-silberne Wappen von Westerholt, gespalten und zweimalig geteilt, im zweiten und dritten Platz ein silbernes Nesselblatt auf Rot; hier belegt mit drei blauen Nägeln. Es ist dies das Wappen des Geschlechtes, das nach dem Schlosse und der Herrschaft Lembeck benannt ist. Das »Nesselblatt« ist hierbei eigentlich ein Kunstwort und ohne Zusammenhang mit der Pflanzenwelt. Schon seit dem hohen Mittelalter hat sich das Bild von seinem Ursprung, einem gezackten Schildrand, freigemacht. Diese Figur wurde im Laufe der Zeit immer stärker deformiert, so dass ihre Dreieckzipfel, wie bei unserem Berger Beispiel, sogar zu »Nägeln« wurden (gelegentlich zu solchen vom »Kreuze Christi«). Bei dem Lembecker auf den Grabmälern in der dortigen Pfarrkirche Jahrhundert) kommen diese »Nägel« noch nicht vor.

Bei dem Stadtwappen  ist die Gesamtfläche des Schildes ebenfalls geviert. Der erste Platz (rechtes Obereck) zeigt in Schwarz eine silberne Kirche mit Mittelturm (Altstadtkirche). Dieser ist vierteilig und besteht aus dem Turmbau mit schwarzer Toröffnung, dem trapezförmigen Dach, dem Turmaufsatz mit zwei schwarzen Schallöffnungen sowie der Turmspitze mit Kugel. Links und rechts vom Turm befinden sich im Kirchenschiffe je zwei schwarze Fensteröffnungen.

Nach der Erhebung des Dorfes Buer zur »Freiheit« im Jahre 1448 wurde die »Gerichtslinde « in das Freiheitssiegel aufgenommen. Dieser Baum wird seit alters als Zeichen der Autonomie und Selbstbestimmung begriffen. So hatte auch Buer schon immer eine eigene, wenn auch niedere Gerichtsbarkeit, die zwei Bürgermeister ausübten.

Der rote, springende, bezungte und doppelschwänzige Löwe in Platz 3 (rechtes Untereck) ist das Wappen der Herren von der Horst, deren einer, Arnoldus, am 19. August 1282 von dem deutschen König Rudolf I. (von Habsburg) das Recht erhält, vor seiner Burg »im Broiche« (Emscherbruch) eine mit Mauern und Gräben befestigte Stadt zu erbauen, welche Freiheitsrechte wie die Stadt Dortmund haben sollte. Der Löwe ist unter allen Tieren das in der Heraldik am häufigsten verwendete. Es war für eine Zeit wie die des Mittelalters, in der man die ritterlichen Tugenden schätzte, durchaus das rechte Wappenbild. Die Gemeinde Horst selbst hatte kein Wappen; so wählte man bei der Zusammenlegung mit Buer und Gelsenkirchen im Jahre 1928 dieses alte Geschlechterwappen und fügte es dem Wappen der Gesamtstadt hinzu.

Im vierten Platz (linkes Untereck) sieht man Schlegel und Eisen, das alte Bergmannsgezähe, als Zeichen einer ursprünglich vom Bergbau geprägten Großstadt.

(Rudolf Brock)

Zur Baugeschichte von Haus Berge

 Unter den wenigen Burganlagen, die im Stadtgebiet von Gelsenkirchen erhalten geblieben sind, ist Haus Berge architektonisch zwar nicht die bedeutendste, für die Bürger aber wegen ihrer zentralen Lage im Erholungsgebiet die weitaus attraktivste. So hat sich auch etwa seit der Wende zum 20. Jahrhundert die Bezeichnung »Schloss« Berge allgemein durchgesetzt, obwohl der Baubestand diese anspruchsvolle Einordnung nicht ganz rechtfertigt.

 Von baugeschichtlicher Bedeutung ist nur das Herrenhaus. Von den Wirtschaftsgebäuden auf der Vorburg, die 1876/78 anstelle des alten »Unterhauses« errichtet wurden, steht nichts mehr. Die übrigen Teile brach man 1938, als die NSDAP dort den Neubau einer Kreisschulungsburg plante, und 2002 ab. Auch die neugotische Kapelle, 1879 als Grabstätte der Aufsitzer erbaut, war architektonisch unbedeutend und fiel bei der Neugestaltung der Parkanlagen 1927 der Spitzhacke zum Opfer. Von den zahlreichen Nebengebäuden des alten Baubestandes ist nur die untere Mühle am Lohmühlenteich erhalten geblieben. Die obere Mühle am Westufer des großen Schlossteiches, - ein kleiner Fachwerkbau auf gemauertem Sockelgeschoß -, musste im September 1963 wegen Baufälligkeit abgetragen werden.

 Über die Baugeschichte des Herrenhauses gibt es keine präzisen Unterlagen. Frühere Formen und Zwischenstadien, die das Haus durch Zerstörung, Umbau und Erweiterung erfahren hat, sind weder schriftlich noch zeichnerisch belegt. Ergiebiger für eine baugeschichtliche Betrachtung waren die von der Stadt Recklinghausen aus dem Besitz der Familie von Westerholt-Arenfels erworbenen Archivbestände und die ersten Bestandszeichnungen des Hauses von 1926, die nach der Übernahme des Anwesens vom Hochbauamt der Stadt Buer gefertigt wurden. Sie zeigen in den Grundrissen noch deutliche Spuren der Entwicklungsgeschichte, die jedoch durch die großen Umbauten der Jahre 1953 und 1978 weitgehend verwischt wurden.

Rein äußerlich macht das Haus heute den Eindruck einer einheitlichen am Ende des 18. Jahrhunderts entstandenen Anlage. Der hufeisenförmige Baukörper mit seinem auf die Eingangsachse ausgerichteten cour d'honneur, das Mansarddach und die schlichten Fassadendetails zeigen eindeutig die vornehm-kühlen Stilformen des Spätbarock auf der Wende zum Klassizismus. Bei näherer Betrachtung zeichnen sich jedoch mehrere Bauabschnitte ab, die schon im Grundriss durch die Stärke ihrer Außenwände zu unterscheiden sind.
Am ältesten ist der nördliche Teil des Hauptflügels mit einer Grundfläche von 10,75 x 26,25 m. Außenwände von 130 cm Dicke zeigen den Charakter der spätmittelalterlichen Wehranlage. Auch der Grundriss-Typ dieser Zeit mit einem größeren Saal und der durch eine Kaminwand abgetrennten kleineren Saalkammer ist in den Bestandsplänen von 1926 bis ins Obergeschoss hinein klar erkennbar. Die Bauzeit dieses 1. Abschnittes wird um 1530 angesetzt, eine Annahme, die sich auf Grundrisstyp, Konstruktion, Baumaterial und andere Merkmale stützt.
Die Fundamente bestehen bis ca. 50 cm über der Wasserlinie aus Bruchsteinen. Sie sind teilweise auf den tragfähigen Mergel heruntergeführt, teilweise liegen sie auf Pfählen mit Holzbalkenrosten. Das aufgehende Mauerwerk aus Feldbrandsteinen hat zwar ·eine erhebliche Stärke, ist aber von geringer Qualität. Oft sind nur die äußeren Mauerschalen ordnungsmäßig im Verband vermörtelt, während das Füllmauerwerk dazwischen aus Steinresten in Lehmbindung besteht. Die Kellerdecken waren gewölbt, die Geschoßdecken bestanden aus Eichenbalken mit stattlichen 8,50 m Spannweite und einem Bohlenbelag. Die Fassaden hat man sich mit kleinen, unregelmäßig sitzenden Fenstern vorzustellen, darüber ein hohes Satteldach. Außer diesem noch bestehenden Bauteil gab es vor 1785 noch einen Gebäudeflügel, der wahrscheinlich an der Stelle des jetzigen Nordflügels stand und erst im Zuge der großen Umgestaltung abgebrochen wurde. Für eine Datierung dieses Flügels gibt es keine Anhaltspunkte. Auch über seine Grundrissfunktion und seine Größe ist nichts bekannt. Es ist anzunehmen, dass er noch zur Bausubstanz des 16. Jahrhunderts gehört. Mit Sicherheit gehört dazu ein Turm, der noch bis 1784 nachweisbar ist. Er muss ebenfalls kurz danach im Zuge der Neugestaltung abgebrochen worden sein. Die runde Bastion an der Südwestecke der Mauer (Musikpavillon) ist vielleicht ein Rest davon. Man hätte sich demnach das Herrenhaus in diesem Stadium als einen nach Süden geöffneten L-förmigen Baukörper vorzustellen, ähnlich wie Lüttinghoff und Grimberg, mit einem Rundturm an der Südwestecke, der früher den Zugang zur Zugbrücke zu sichern hatte.

 Als Bauherr dieser Anlage wird Georg von Boenen angesehen, der 1521 die Erbin von Berge, Hartelief von Backem, heiratete. Ein ähnlicher Anlass zum Bauen wie im benachbarten Herten, wo einige Jahre später Bertram von Nesselrode 1529 die Schlosserbin Anna Stecke heiratete und anschließend das gesamte Schloss neu aufbaute. Ein wichtiges Indiz für die Datierung ist, dass Berge ebenso wie Herten noch als Wehrbauten erstellt wurden, ein Bautypus, der nach 1530 schnell aus der Mode kam.

Als Prototyp neuer Wohnformen entstand drei Jahrzehnte später, von 1556 bis 1578, in der Nachbarschaft das repräsentative Schloss Horst, dessen Architektur dann zahlreiche Neubauten der weiteren Umgebung. bis hin zu den Bauten der Weser-Renaissance beeinflusst hat. Die Wandlung vom Wehrbau zum komfortablen Herrensitz wurde nicht nur durch den verfeinerten Lebensstil, sondern vor allem durch die Entwicklung der Artillerie ausgelöst, die kleinere Befestigungsanlagen alter Art sinnlos machte. Dieser Wandel, unterbrochen durch den Dreißigjährigen Krieg und seine Folgen, zog sich bis spät ins 17. Jahrhundert hin. In Herten und Lüttinghoff sind entsprechende Baumaßnahmen um 1690 nachweisbar. In beiden Fällen folgte dem Umbau ab 1700 die Anlage üppig ausgestatteter Ziergärten nach französischem Muster.
Auch am Schloss Berge ist um 1700 eine ähnliche Modernisierung anzunehmen, obwohl eindeutige Belege für diese Datierung fehlen. In diese Zeit dürfte ein Anbau gehören, der sich mit einer Grundfläche von 11 x 12,35 m an den Südostgiebel des Altbaues anschließt. Die Außenwände sind hier mit 95 cm bereits deutlich schwächer, die Fensteröffnungen größer und zahlreicher. Wie die Pläne von 1926 zeigen, war dieser Anbau nicht unterkellert, nur ein großer Backofen wurde im Anschluss an die Kellerwand des Altbaues angelegt. Zur Sicherung der Fundamente verstärkte man die Außenwand zur östlichen Gräfte durch eine Dossierung und sicherte die gefährdete Nahtstelle zwischen beiden Bauteilen durch einen starken. Strebepfeiler.

 Seine heutige Gestalt erhielt Schloss Berge jedoch erst durch einen großzügigen Um- und Erweiterungsbau in den Jahren 1785-1788. Architekt dieses Umbaues war der Baumeister Engelbert Kleinhansz, ein gebürtiger Tiroler, der in den Jahren 1782-1805 als Stiftsbaumeister der Abtei Werden tätig war und später nach Elberfeld übersiedelte.  Nach dem Plan von Kleinhansz wurden der Südwestfront des Hauptgebäudes zwei gleichartige Flügelbauten von je 9,70 x 16,20 m Grundfläche angefügt, die einen Innenhof symmetrisch einschlossen. Die alte Hauptfassade wurde zur Erzielung einer einheitlichen Gesamtwirkung umgebaut. Den zweigeschossigen, U-förmigen Baukörper deckte Kleinhansz nach dem Vorbild französischer Barockbauten mit einem Mansarddach ab, an dem er in der Hofachse als Akzent eine steinerne Attika mit dem Familienwappen aufsetzte. Die Fenster bekamen rundum ein einheitliches Format und wurden axial angeordnet. Die Nahtstellen zwischen altem und neuen Bestand waren dadurch weitgehend verwischt. Der älteste Abschnitt zeichnet sich nur noch dadurch ab, dass seine der Gräfte zugewandten Hinterfronten wesentlich größere Fensterabstände haben als die neuen Bauteile und die repräsentativen Hoffassaden, wahrscheinlich auch bedingt durch die Masse und die lockere Struktur des alten Mauerwerks.
Bauherr dieser großen Umgestaltung war der Freiherr Ludolf Friederich Adolf von Boenen. Er hatte 1769 Wilhelmine Franziska, Erbtochter der Familie von Westerholt-Gysenberg geheiratet und wurde durch Dekret Kaiser Josefs II. vom 27. Juli 1779 in den Reichsfreiherrenstand und am 17. August 1790 durch Kurfürst Karl Theodor von Bayern in den Reichsgrafenstand erhoben. Ludolf von Boenen übernahm dabei Namen, Wappen und Konfession derer von Westerholt-Gysenberg. Der gehobene Status und das damit verbundene Repräsentationsbedürfnis könnten den Anstoß zu dieser großzügigen Baumaßnahme gegeben haben.

Bis zur Übernahme durch die Stadt Buer hat sich am Baubestand des Herrenhauses seit 1788 nichts Wesentliches geändert. Die Familie von Westerholt-Gysenberg war um die Jahrhundertwende nach Schloss Arenfels bei Hönningen umgezogen, setzte einen Pächter ein und betrieb das Haus seither als Ausflugsgaststätte. Zur Schaffung der Gasträume nahm man im Erd- und Obergeschoss einige Zwischenwände heraus und baute an der Südfront 1904 eine große Glasveranda in Holzkonstruktion.

Schloss Berge und der schöne Park entwickelten sich rasch zu einer gut besuchten Oase in der umgebenden Industrielandschaft, aber zu einer großzügigen Volks-Erholungsstätte fehlten doch viele bauliche Voraussetzungen. Wie aus einer Bestandsaufnahme von 1921 hervorgeht, war der Zustand des Hauses miserabel. Die Unterhaltungsarbeiten waren seit Jahren vernachlässigt worden, notwendige Installationen fehlten. Die Tragfähigkeit der Deckenbalken war durch Fäulnis und Wurmbefall gefährdet. Als die Stadt Buer nach langen Verhandlungen Haus und Umland von den Erben des Reichsgrafen Karl Theodor Eugen von Westerholt-Gysenberg 1920 zunächst pachtete, dann 1924 käuflich erwarb, hatte das Haus durch die Belegung mit französischen Besatzungstruppen, Polizei-Einheiten und Jugendgruppen in den Jahren 1922/23 zusätzlich stark gelitten.

Die erste gründliche Erneuerung erfuhr Schloss Berge erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Umbau von 1952/53. Dabei wurden nicht nur der gesamte Innenausbau erneuert, sondern auch die Geschoßdecken, Zwischenwände, Treppenhäuser, Installationen und Versorgungsleitungen. Im Kellergeschoß musste für die notwendigen Betriebsräume Platz geschaffen werden. Zur Erreichung einer größeren Raumhöhe senkte man die Fußböden ab und beseitigte die Reste der alten Gewölbeansätze. Die nicht unterkellerten Teile und der Raum unter der vergrößerten Südterrasse wurden ebenfalls voll ausgebaut. Das Erdgeschoß nahm die Gaststätten- und Küchenräume auf und bekam an der Parkseite eine neue Veranda als Ersatz für die abbruchreife Holzkonstruktion. Im Obergeschoß wurde neben einigen Tagungsräumen ein großer Festsaal mit allen Versorgungs- und Nebenräumen eingerichtet. Bei dem Ausbau der Großräume, die über alte Bauabschnittsgrenzen hinweggingen, egalisierte man die unterschiedlichen Außenwandstärken durch vorgesetzte Mauerschalen. Im Mansardengeschoß brachte man noch einen kleinen Hotelbetrieb mit 17 Betten unter, außerdem eine Betriebswohnung und die notwendigen Personalräume.

Mit dieser Ausstattung wurde Schloss Berge 25 Jahre lang betrieben. Dann musste der Ausbaustandard den stark gestiegenen Komfortansprüchen und neuen betrieblichen Erfordernissen angepasst werden. Das kleine Hotel hatte sich als unwirtschaftlich erwiesen, die Bedienungswege waren zu weit, Lüftungsanlagen zu schwach, die Terrasse zu klein, Aufzüge fehlten. Der Innenausbau und die Möbel von 1953 waren z. T. verbraucht und unmodern geworden. Diese Mängel mussten behoben werden, um die rückläufigen Besucherzahlen aufzufangen. Zur Wiederbelebung des Betriebes wurden daher in den Jahren 1977/78 durch eine Gesellschaft mit großer gastronomischer Erfahrung umfangreiche Modernisierungsarbeiten durchgeführt. Seit 1988 steht Schloss Berge unter Denkmalschutz. Der neue Besitzer ließ umfangreiche und aufwändige Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten durchführen, um das Schloss wieder zu einem gastronomischen Mittelpunkt der Region zu machen. Nach diesen Arbeiten wurde das Schloss zu Beginn des Jahres 2004 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

(Wilhelm Breuer)

Die naturräumlichen Voraussetzungen für die Anlage von Haus Berge

Im Gegensatz zu den meisten ehemaligen und heute noch bestehenden heimischen Rittersitzen wie zum Beispiel Burg Lüttinghoff im Norden des Stadtgebietes von Gelsenkirchen, entstand das heutige Schloss Berge nicht an einem entwickelten fließenden Gewässer, sondern mitten im Quellgebiet eines recht unbedeutenden rechten Nebenbachs der Emscher südlich des Buerschen Berges, der in unserem Stadtgebiet die Wasserscheide zwischen Lippe und Emscher bildet.

Geologisch gesehen ist oder besser gesagt war der sogenannte Berger Spring eine Überfallsquelle, da er an der Südseite von nach Norden einfallenden Schichten entspringt: Diese Schichten gehören zur Oberen Kreide, genauer gesagt zum Untersenon oder Santon. Das Untersenon zeichnet sich hier durch eine Wechsellagerung wasserdurchlässiger Sandschichten und klüftiger Sandsteinbänke mit wasserstauenden mergeligen Horizonten aus.

Nach Osten hin schließen sich denselben Bedingungen folgend in einer Höhenlage zwischen 70 und 80 Meter über dem Meere weitere Quellen an, so die Ortbeckquelle, das Börnchen, die Quelle an der Brauckstraße sowie die Knabenbachquelle in Resse. Während die sich aus diesen Quellen entwickelnden Bäche den Buerschen Berg zunächst in östlicher Richtung entwässern, um später als Leither Mühlenbach in südliche und dann in südwestliche Richtung umzuschlagen - der Knabenbach fließt nach Süden und wendet sich dann unter einem Winkel von annähernd 90 Grad nach Westen - , ist die Fließrichtung des Berger Baches nach Verlassen der Gräften gleich nach Westen gerichtet. Die geringe Entfernung zur Emscher, in die all diese Gewässer münden, lässt keine größere Bachentwicklung zu, und so ist es nicht verwunderlich, dass die meisten der alten Karten  unseres Gebietes, wenn sie Schloss Berge überhaupt verzeichnen, die hydrologischen Verhältnisse unberücksichtigt lassen.

 

Angesichts dieser hydrogeographischen Unzulänglichkeiten muss man sich fragen, welche Gründe wohl die späteren Herren von Berge bewogen haben mögen, bereits im 12. Jahrhundert ausgerechnet an dieser Stelle ein »festes Haus« zu errichten. Strategische Erwägungen kamen für die Anlage von Schloss Berge ganz sicher nicht in Frage. Es bleiben das Schutzbedürfnis und die Selbstversorgungsmöglichkeiten. Beginnen wir mit dem letzten: Die Waldungen des Südabfalls des Buerschen Berges und der nahe Emscherbruch boten mit ihrem Wildbestand eine sichere Nahrungsquelle. Mit einer Höhenlage von ca. 65 m befand man sich außerdem mit dem ausgewählten Standort außerhalb des Überschwemmungsbereichs der Emscher, eines typischen Niederungsflusses, und da im 12. Jahrhundert die Rodungsperiode als letzte der drei großen Siedlungsperioden des Mittelalters im vollen Gange war, konnten landwirtschaftlich nutzbare Flächen geschaffen werden. So entstand nördlich und westlich des heutigen Schlosses die sogenannte Baut, die dem Anbau von Feldfrüchten dienende Fläche.

Wer in der Lage war zu roden, der konnte auch die von Natur aus ungünstigen Wasserverhältnisse verbessern: Um nicht zu sehr von den Schwankungen in der Schüttung des Berger Spring abhängig zu sein, wird man schon bald einen oder auch mehrere Teiche als Wasserreservoire angelegt haben. Diese Teiche konnten einmal für die Fischzucht genutzt werden, andererseits hatte man so viel Wasser zur Verfügung, dass unmittelbar am Ausfluss aus dem gesamten Grabensystem eine Kornmühle betrieben werden konnte und nur 400 m weiter westlich sogar eine zweite. Dem Schutzbedürfnis der Aufsitzer von Berge konnte mittels des künstlichen Grabensystems Rechnung getragen werden. Das System der Teiche und Gräften verdeutlicht der Lageplan. Das Herrenhaus, die ehemalige Hauptburg, liegt auf einer eigenen, quadratischen Insel von 40 m Seitenlänge und ist allseits von der Schlossgräfte umgeben. Die sich nördlich anschließenden Gebäude bildeten die Vorburg. Sie dienten der Landwirtschaft und waren ihrerseits durch einen Graben rings herum geschützt, der Stallgräfte (Teil der Außengräfte in der Skizze). Der heutige Schlossteich ist mindestens so alt wie es an seinem Ausfluss eine Mühle gab. Die Buten- oder Außengräfte existiert heute noch vollständig. Lediglich die Zwischen- oder Tuschengräfte wurde zugeschüttet, kurz nachdem die Stadt Buer das Schloss 1924 mit einem Gelände von rund 400 Morgen von dem letzten Besitzer, dem Reichsgrafen von Westerholt-Gysenberg, erworben hatte.

Dem Schutzbedürfnis der Aufsitzer kam sicherlich noch der hohe Grundwasserspiegel in früherer Zeit namentlich ostwärts des Schlosses entgegen. Die Bezeichnung »Eschenbruch« für das Waldstück zwischen der Außengräfte und der Cranger Straße deutet unmissverständlich darauf hin. Die Bezeichnung „Aschenbrock“ für dieses Wäldchen – verewigt in der Straßenbezeichnung Aschenbrockallee – leitet sich von der plattdeutschen Bezeichnung Eskenbrock ab und ist eine unglückliche Übertragung ins Hochdeutsche.

Zur Vervollständigung der hydrographischen Verhältnisse verfolgen wir das aus den Teichen und Gräften von Schloss Berge ausfließende Wasser weiter: Seit dem Jahre 1929 speist es den 12,5 Hektar großen Berger See, der seinerzeit im Zuge der Begradigung der früheren Gelsenkirchener Straße und heutigen Kurt-Schumacher-Straße aufgestaut wurde. Nur 600 m weiter westlich der dem See zum Opfer gefallenen zweiten Berger Kornmühle trieb der Berger Mühlenbach die dritte Mühle, die Lohmühle, die von der Gemeinde Buer zum Mahlen der zur Gerberei notwendigen Eichenrinde erbaut worden war. Von dieser Mühle aus, von der noch das Fachwerkhaus und der Mühlteich existieren, fließt der Bach als Lohmühlenbach in westlicher Richtung weiter, unterquert die Horster Straße und nimmt auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Hugo den Hammermühlenbach als rechten Nebenbach auf. Von hier ab tritt er ganz in den Dienst der Abwasser-Vorflut und nennt sich nunmehr Lanferbach. Als solcher unterquert er abermals die Horster Straße, umfließt östlich den Stadtteil Beckhausen und mündet im Bereich des Werksgeländes der Veba Öl AG mit zwei Mündungsarmen in die Emscher.

Obwohl das Gebiet um Schloss Berge durch Jahrhunderte hindurch sehr stark von Menschenhand beeinflusst worden ist, wurde es im Jahre 1935 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Schützenswert sind insbesondere:

    Der Berger Spring bzw. der Quellgarten, obwohl die Quelle künstlich gespeist werden muss, insbesondere wegen der zahlreichen Findlinge, die man größtenteils aus der Berger Baut hier zusammengetragen hat und von denen die vier größten eingetragene Naturdenkmäler sind;
    der anschließende Märchengrund als kleines Wiesental;
    der ihn begleitende »Buchendom« mit rund 200 Jahre alten Bäumen, zu dessen Krautschicht die Rote Lichtnelke, das Große Springkraut und die hier eingebrachte Goldnessel gehören;
    der Nymphaea-Teich mit seinem Seerosenbestand, der mächtigen, die ganze Insel beherrschenden Platane sowie dem recht natürlichen Schilfgürtel mit dem auffallenden Rohrkolben, dem kleineren Igelkolben, der gelb blühenden Wasserschwertlilie und einigen Seggenarten;
    das gesamte Aschenbrockwäldchen wegen des Vorkommens des Großen Buntspechts, des Waldkauzes sowie des Aronstabes;
    der Französische und der Englische Garten wegen der prächtigen in- und ausländischen Bäume wie die beiden wohl 300 jährigen Eiben, die zwei Ginkgobäume, die Trompetenbäume, der Mammutbaum und die Sumpfzypresse;
    schließlich das gesamte Gräftensystem einschließlich des Schlossteichs mit der großen Fontäne und der Berger See wegen des Reichtums an Wasservögeln von der häufig vorkommenden Stockente über das schon altbekannte Schwanenpaar mit den alljährlichen Jungen, der tauchenden Reiherente, der Bläss- und Teichhühner, des gewandten Zwergtauchers, des prächtigen Haubentauchers, der seit Jahren im Schilfbestand des Berger Sees brütet.

Darüber hinaus konnten durch regelmäßige Begehungen über 40 brütende Vogelarten in dem Landschaftsschutzgebiet Schloss Berge registriert werden.

Aus dieser Schilderung wird deutlich, dass die einstmals naturräumlichen Voraussetzungen, die zur Anlage von Schloss Berge führten, heute alle Bedingungen für ein ideales Naherholungsgebiet erfüllen.

(Heinrich Ermeling)

Schloss Berge

An dieser Stelle wird demnächst Interessantes zur Baugeschichte des Schlosses sowie zur Flora und Fauna der umgebenden Parkanlage berichtet.